Nachdem bekannt wurde, dass Kanye West den Song «Perfect Bitch» seiner Freundin Kim Kardashian gewidmet hat, geriet der Rapper ins Kreuzfeuer. Auf Twitter schrieb er dann: «Ist das Wort Bitch akzeptabel? Ist es akzeptabel, wenn ein Mann eine Frau Bitch nennt, auch wenn es liebevoll gemeint ist?» Kanye ist nicht der einzige Rapper, der sich mit dem Umgang des Wortes auseinandersetzt. Gerüchten zufolge soll sich auch Jay-Z vor der Geburt seines Töchterchens Blue Ivy überlegt haben, den Begriff nicht mehr zu gebrauchen. Wie stehen Schweizer Rapper dem Thema gegenüber? Und was sagen Experten? tilllate.com hat nachgefragt.
Provokation und Emanzipation
Der Ostschweizer Kiko vom Rap-Duo Kiko und Boro findet: «Bitch sagen alle. Dieser Begriff hat sich dermassen im Vokabular eingenistet, dass man sich gar keine Gedanken mehr macht.» Der Berner Rapper Knackeboul ist indes zwiegespalten: «Einerseits hat es nicht mehr die Schlampen-Bedeutung, andererseits werden die Frauen in Rap-Videoclips genau so dargestellt. Schlussendlich ist der Begriff oftmals reine Provokation.»
Steff La Cheffe, bürgerlich Stefanie Peter, gilt als schillerndes Aushängeschild der weiblichen Schweizer Rap-Szene: «Bitch wurde ursprünglich für 'Hündin' gebraucht, also für ein leichtes Mädchen.» Auch heute noch würden wir in einer patriarchischen Gesellschaft mit veralteten Wertvorstellungen leben. In den 90ern haben Lil’Kim und Foxy Brown den Begriff erstmals selbstbewusst gebraucht. «Sie wollten sagen: Ich hole mir was ich will. Genauso wie Ausländer ein Schimpfwort war und plötzlich einer wie Baba Uslender auftaucht, der damit kokettiert», so Stefanie.
«Bitch stellt heutzutage eine freche und eigenständige Frau dar»
Doch das Wort Bitch hat sich nicht nur in der Rap-Kultur, sondern auch in der Jugendkultur eingenistet und gehört schon fast zum normalen Sprachgebrauch.
Prof. Dr. Iwar Werlen vom Institut für Sprachwissenschaften der Universität Bern sagt: «Die Tatsache, dass Bitch englisch ist, hat sicher einen Einfluss. Früher hatte man Fluchworte aus dem Lateinischen oder Französischen.» Bei Gleichaltrigen könne Bitch sogar eine Anerkennung ausdrücken. «Beispielsweise 'Du bist eine von uns, du bist attraktiv'», so Werlen. Mit solchen Ausdrücken wolle sich die Jugendkultur gegenüber Erwachsenen abgrenzen.
Psychologe und Buchautor Allan Guggenbühl, der in Zürich das Institut für Konfliktmanagement leitet, stellt ebenfalls einen Bedeutungswandel fest: «Bitch stellt heutzutage eine freche und eigenständige Frau dar. Dies steht in Zusammenhang mit dem Feminismus, der diese Seiten der Frau positiv wertet.» Es werde gegen das Image des braven fleissigen Mädchens gekämpft: «Wenn sich also weibliche Rapper als Bitch bezeichnen, ist dies nicht widersprüchlich, sondern der Versuch einer neuen Rolle.»
Früher und heute
Es zeigt sich, dass «Bitch» heute mehr verwendet wird, als früher. Die Bedeutung des Begriffs hat sich im Laufe der Zeit aber enorm verändert. Während er noch vor 20 Jahren als Beleidigung eingesetzt wurde, stellt er heute für viele Frauen eine Gratwanderung zwischen Provokation und Emanzipation dar. In der Musikbranche im Allgemeinen und der Rap-Kultur im Speziellen, ist er weiterhin vor allem etwas: Ein Verkaufsargument.

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