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In guten wie in schlechten Zeiten
Warum ewige Liebe kein Mythos ist
Vier Grosseltern-Paare erzählen tilllate.com ihre ganz persönliche Liebesgeschichte und wie sie Kriegszeiten, Krankheiten und Krisen gemeinsam überstanden haben.
Von , zuletzt aktualisiert am 21.11.2012, 09:48 Google+

Rund die Hälfte aller Ehen wird heute geschieden und auch junge Beziehungen zerbrechen viel zu schnell an der harten Realität. tilllate.com hat sich an zwei kalten Novembertagen auf die Suche nach Paaren gemacht, die noch an die ewige Liebe glauben – und sie leben. Getroffen haben wir vier Grosseltern, die uns von ihrem ersten Treffen, von Schicksalsschlägen und Wegen aus der Krise erzählt haben. 

Liebe auf Holländisch

Susanne (55) und Heino (57) Keller sind seit 27 Jahren verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden 1984 am Königinnentag. «Eine holländische Freundin nahm mich an eine Feier in die Botschaft mit. Dort bat mich Heino zum Tanz; ein halbes Jahr später haben wir geheiratet», erzählt Susanne. Grosse Krisen habe es nie gegeben: «Wir haben immer unsere eigenen Hobbys verfolgt und trotzdem ein gemeinsames Leben gehabt. Das ist wichtig.» Heino wiegt ein: «Eine Partnerschaft ist eine ständige Baustelle.» Für Susanne gab es durchaus Momente, in denen sie den Bettel hinwerfen wollte. «Hätten wir keine Kinder gehabt, hätte ich mich vielleicht mal für eine Beziehungspause zurückgezogen.» Dass sich heute viele Paare trennen, sei für sie erklärbar: «Man lebt in einer Wegwerf-Gesellschaft. Auch die Ansprüche an einen Mann und eine Frau sind grösser geworden. Da sind die Medien nicht ganz unschuldig.» Zu Beginn der Beziehung hatten beide ein gewisses Alter: «Wir hatten keine Illusionen mehr und wussten, was wir wollen.» Susanne war Heinos erste Freundin. Das Gefühl, noch eine andere zu brauchen, hatte er nie: «Eigentlich glaube ich nicht an die eine grosse Liebe, aber offenbar gibt es sie doch. Die Schwester meiner Mutter starb mit 75. Ihr Mann litt unheimlich und starb kurz darauf auch. An einem gebrochenen Herzen - da bin ich mir ganz sicher.»

Eine Liebesgeschichte in Kriegszeiten

Irmgard (80) und Rudolf (81) Babel sind seit 59 Jahren verheiratet. Kennengelernt haben sie sich im November 1951. «In meinem Stammlokal traf ich eines Tages auf Irmgard. Sie trug einen roten Hut und irgendetwas hat Klick gemacht. Ich habe dem Kellner gesagt, er soll bei allen Tischen ausser meinem ein 'Besetzt'-Schild hinsetzen. So kamen wir ins Gespräch», sagt Rudolf. In den folgenden 60 Jahren haben sich die beiden nie ernsthaft gestritten: «Wir beide kommen aus einer ganz anderen Generation. Ich musste während des Kriegs zweimal flüchten. In den Tag hineinleben habe ich nie gekannt. Ich trug schon zuhause immer Verantwortung», erzählt Irmgard. «Heute sind die jungen Frauen selbständig und können gehen, wenn eine Beziehung nicht mehr stimmt – das hat auch Vorteile», sagt die Rentnerin. Vertrauen, Respekt und Höflichkeit seien wichtig: «Man soll sich so behandeln, wie man selber auch behandelt werden will.» Doch Beziehungen hätten sich verändert, wie Rudolf erzählt: «Heute dreht sich alles um Selbstverwirklichung, dennoch sind die Jungen nicht zufrieden. Sie schätzen die kleinen Dinge nicht mehr.» Bei den Babels war das nie der Fall: Drei Monate nach dem ersten Treffen folgte die Verlobung. «Damals sagte man mir: Berlin hat keine Zukunft, geh nach West–Deutschland. Ich habe noch ein Jahr illegal in Deutschland gewohnt, weil ich ansonsten in die Hitlerjugend hätte gehen müssen. Ich hätte das Land aber nicht alleine verlassen», versichert Rudolf. 1958 kam das junge Paar nach Winterthur. Irmgard erinnert sich noch genau: «Nach all den Bombenangriffen war die Schweiz ein Land, wo wir zur Ruhe kommen konnten. Ich weiss nicht, ob es die eine grosse Liebe wirklich gibt, aber ich habe sie erlebt.»

Krebs als Bewährungsprobe

René (78) und Therese (74) Müller sind seit 53 Jahren verheiratet. «Ich habe Therese am Bahnhof gesehen und sie für ein Fest der Gymnasiums-Verbindung eingeladen. Es war für mich Liebe auf den ersten Blick», erzählt René. Der 78-Jährige studierte damals Theologie und wollte nicht wild grasen: «Ich sagte immer, dass ich es ernst meine.» Therese war jedoch erst 17 Jahre alt und wollte sich noch nicht binden. «Ich habe mich rar gemacht und fuhr jeweils mit dem Velo an ihm vorbei. Das hat ihn angespornt, sich Mühe zu geben.» René wuchs als Einzelkind bei einer strengen Mutter auf: «Ich hatte also genaue Vorstellungen. Aber Therese hat früh damit angefangen, sich für eine gleichberechtigte Beziehung einzusetzen.» Krisen gab es auch bei ihnen keine: «Damals wäre eine Scheidung für einen Pfarrer nachteilig gewesen. Ich habe mir das also gründlich überlegt», sagt René.  «Ich habe mal gehört, dass man heute zusammen ins Bett geht und sich erst nachher fragt, wie man denn heisst. Das gab es früher nicht. Da hat man nicht reingeschossen. Man wollte ja zusammenbleiben.» 1984 wurde bei Therese Darmkrebs festgestellt – ein Schicksalsschlag: «Wenn man krank ist, zeigt sich der wahre Zusammenhalt», ist sich Therese sicher. «Wir haben nicht gewusst, ob wir so lange zusammen sein werden. Aber es fest gehofft. Wenn wir einen Tag getrennt sind, haben wir schon 'Längizyti'.»

62 Jahre durch Dick und Dünn

Karl (84) und Sonja (84) Stoll sind seit 62 Jahren verheiratet.«Wir haben uns beim Tanzen kennengelernt. Ein paar Wochen später fand eine Veranstaltung im Volkshaus statt, wo wir uns wieder sahen. Eineinhalb Jahre später haben wir geheiratet», erzählt Sonja. Aber das sei früher halt auch schneller gegangen. Bereut hat sie es nie. «Wir hatten nie Interesse an Streit und konnten immer miteinander reden», erzählt Karl.  Sonja zeigt sich dankbar: «Man muss halt sagen, wenn einem etwas nicht passt. Ich war oft sauer, weil er so viel Fussball spielen ging. Aber am Abend kam er immer wieder nach Hause.» Mittlerweile leidet Karl an Demenz: «Es ist nicht einfach. Auf der anderen Seite gibt es viele, die noch Schlimmeres erleben.» Weniger gute Zeiten gehören auch dazu. Karl beendet das Gespräch mit: «Wir haben es aber immer schön gehabt. Wenn man gut zusammen lebt, gibt es die eine grosse Liebe.»


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