Angepriesen wurde das Festival Kazantip 2012 in Portugal als Mega-Event, bei dem bis zu 250000 Elektrofans erwartet würden. Doch kaum hatte das Festival am 20. Juli begonnen, wurde es auch schon wieder abgebrochen(tilllate.com berichtete). Wie die Schweizer Firma Kazantip GmbH mit Sitz in Baar auf der Webseite verkündete, fehlten ihr die Bewilligungen zum Verkauf von Tickets und Essen.
Hunderte Besucher befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Gelände. «Es gab weder Wasser noch Verpflegung und die Luxusunterkunft stellte sich als heruntergekommenes Armeegebäude heraus», weiss die Schweizer DJane Miss Shine aus Genf, die als Headliner gebucht worden war. Ausserdem sei das Personal ohne Entlöhnung zurückgelassen worden und der Abend habe gar in einer wüsten Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und Gästen geendet. Nach diesem Desaster befürchtet die 31-Jährige nun um ihren Ruf und will gegen die Organisatoren rechtliche Schritte unternehmen: «Ich werde klagen!»
Wütende Besucher, enttäuschte DJs
Auch Simon Probst aus Biel fühlt sich abgezockt. Für sein Ticket zahlte er stolze 630 Euro, die er nun wohl nie mehr sehen wird. «Ich habe extra Ferien eingegeben. Ich bin total sauer und fühle mich betrogen.» Für das Festival habe er extra eine Woche Ferien gebucht: «Ich fühle mich verarscht.»
Sandro Adamo alias DJ Sandro Locco wäre als DJ gebucht gewesen und nächsten Dienstag abgereist. Die Enttäuschung über das geplatzte DJ-Set sitzt tief: «Ich habe fast geweint. Ich wollte schon lange dorthin, weil ich dachte, dass es die gleichen Veranstalter wie in der Ukraine seien. Für mich wäre das geiler als Miami gewesen.» Auch für DJ Kevin da Silva bedeutet das Organisations-Desaster ein Rückschlag. Nun hofft er auf Gerechtigkeit: «Es ist schade, dass viele DJs und Gäste über den Tisch gezogen wurden. Ich hoffe, dass die Betrüger bestraft werden.»
Kein unbeschriebenes Blatt
Die Firma Kazantip GmbH war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Doch wie der deutsche Rechtsanwalt Oliver Wallscheid weiss, laufen bereits mehrere Verfahren im Zusammenhang mit der Kazantip GmbH und dem Vorwurf der Markenverletzung. Demnach soll die Firma das Konzept des originalen Kazantip-Festivals in der Ukraine kopiert haben. «Für unseren Mandanten und den Veranstalter des Originals in der Ukraine könnte sich die Angelegenheit als rufschädigend erweisen», so Wallscheid, welcher einer der Kläger vertritt. Den Geschädigten rät er zu rechtlichen Schritten: «Ich rate ihnen einen Anwalt zu nehmen und die Ansprüche gegenüber der Kazantip GmbH durchzusetzen.»

Kommentar schreiben
Kommentare