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Gnadenfrist
Abart bleibt bis Ende Jahr offen
Glück im Unglück: Das Zürcher Abart geht doch erst Ende 2012 zu. tilllate.com sprach mit Mitgründer Oli Zemp (38) dennoch über das bevorstehende Aus.
Von , zuletzt aktualisiert am 12.09.2012, 17:23 Google+

Immerhin: Nicht mehr Ende September, sondern erst am 31.Dezember 2012 macht das Live-Lokal Abart einer «Aufwertung» des Sihlcity-Quartiers Platz. Dennoch verliert dann nicht nur der Zürcher Partygänger, sondern auch die Stadt mit der Schliessung einen wichtigen Knotenpunkt des hiesigen Nachtlebens.

«Hätten die Toten Hosen im Dezember 1998 nicht zufällig ihr Roten-Rosen-Album bei uns taufen wollen, wäre das Experiment Abart wohl gänzlich gescheitert», resümiert Abart-Geschäftstführer Oli Zemp (38) die schöne Zeit mit der Location an der Manessestrasse. Zu schlecht seien die Zahlen gewesen, zu wenig hätte die Szene das Konzept verstanden. «Es gab keine Klubs, die unsere damaligen Lieblings-Bands buchten: Kyuss, später Queens Of The Stone Age, The Stone Roses - die wollten wir sehen. Wir hatten zwar kein Geld, und ein Financier wäre Gift für die unabhängige Verwirklichung unserer Vision gewesen. Also blieb uns nichts anderes übrig als es aus purer Ueberzeugung zu tun.»

Muse war nicht ausverkauft

Das Abart bot ab sofort einem hungrigen Nischenpublikum, was es wollte: Punk, Grunge, Metal, Indie - später auch Elektro – im Stile britischer Undergroundklubs. Die Rechnung ging auf: Die Marke «Abart» steht seit Jahren für Top-Dienstleistungen im Indie-Segment. «Wir legen den Toten Hosen und besonders dem damaligen Label-Manager Michi Büchel bis an unser Lebensende den Teppich aus», zeigt sich Zemp dankbar.

Viele heutige Major-Rockbands (HIM, Gossip, Franz Ferdinand, Incubus, etc.) spielten ihre ersten Schweizer Konzerte im Abart. «Der Muse-Gig 1999 war bei weitem nicht ausverkauft…» staunt Zemp aber manchmal auch heute noch. Ohnehin erinnert er sich an zahlreiche Anekdoten mit Fake-Einbrüchen, Backstage-Stories oder nicht enden wollenden Videosessions in Bandbussen mit heutigen Topstars. Man wird das Gefühl nicht los, dass Zemp die Klubtüren nur schweren Herzens endgültig schliesst.

Veranstalter-Team bleibt bestehen

«Wir bekommen viele rührende Feedbacks von Leuten, denen der Klub alles bedeutet. Das zeigt uns, dass es richtig war, durchzuhalten und daran zu glauben. Genau deshalb müssen wir jetzt auch einen Schlussstrich ziehen: die voraussehbaren Lärmklagen aus den bevorstehenden Luxus-Ueberbauungen würden den Betrieb massiv einschränken. Das wollen wir unseren grossartigen Gästen nicht antun.»

Und doch gibt es neben der Frist-Verlängerung eine weitere gute Nachricht für Abart-Fans: «Das Veranstalter-Team bleibt bestehen und organisiert weiter kleine und mittelgrosse Konzerte in verschiedenen Schweizer Locations. Nach 15 Jahren täglichem Klubbetrieb wird es an der Zeit sein, den Jungen das Feld zu überlassen – die können uns dann zeigen, wo der Hammer hängt!»


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